Bilanz des Ausbildungsjahres 2015/2016 im Märkischen Kreis

Pressemitteilung Nr. 117 / 2016 - 02. November 2016 der Agentur für Arbeit Iserlohn:

 

"Bilanz des Ausbildungsjahres 2015/ 16:

Der Wettbewerb um Auszubildende wird schwieriger, deutlich mehr unbesetzte Stellen als unversorgte Bewerber

Märkischer Kreis. Die Agentur für Arbeit Iserlohn zieht gemeinsam mit ihren Ausbildungsmarktpartnern Bilanz zum Ausbildungsjahr 2015/ 16.

„Die Bilanz des Ausbildungsjahres 2015/16 fällt positiv aus. Die Anzahl der gemeldeten Stellen und gemeldeten Bewerber hält sich in etwa die Waage. Sehr positiv ist, dass sich trotz rückläufiger Schulentlasszahlen mehr Bewerberinnen und Bewerber in der Berufsberatung gemeldet haben. Das zeigt ein hohes Interesse an einer betrieblichen bzw. schulischen Ausbildung. Erschreckend hoch ist jedoch die Anzahl der unbesetzten Stellen, die sich im Vorjahresvergleich nahezu verdoppelt hat. Die Anzahl der unbesetzten Stellen ist wesentlich höher als die Anzahl der unversorgten Bewerber. Und genau dieser Trend zeigt die gegenwärtige Entwicklung des Märkischen Kreises. Der Ausbildungswille ist sehr hoch, jedoch konnten viele Arbeitgeber nicht den gewünschten Nachwuchs finden. Meine Hoffnung für die Zukunft geht dahin, dass unsere Arbeitgeber ihre Strategie der Nachwuchskräftegewinnung noch deutlicher hinterfragen und sich auf das bestehende Bewerberpotential einlassen“, resümiert Sandra Pawlas das Beratungsjahr 2015/ 16. Sie führt fort: „Der Wettbewerb um Auszubildende wird schwieriger. Vielfach erkennen wir unbesetzte Ausbildungsstellen im Bereich der Metallverarbeitung, im Handel sowie im Handwerk. Fakt ist – wir „backen“ keine Auszubildenden und auch der überregionale Ausgleich in der Vergangenheit hat immer viel Kraft gekostet, aber wenig Erfolg gebracht. Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter bieten jedoch sowohl Arbeitgebern als auch potentiellen Bewerberinnen und Bewerber mit dem ein oder anderen Förderinstrument Unterstützung. Zu nennen ist hier insbesondere die Assistierte Ausbildung. Diese nimmt Bewerber in den Blick, die auf den zweiten Blick überzeugen. Ziel ist es, die Einstellungsbereitschaft von Betrieben durch das Angebot sozialpädagogischer Betreuung der Azubis sowie Stützunterrichts zu erhöhen, sowie Ausbildungsabbrüche durch gezielte und abgestimmte Förderung zu verringern.“

Im Zeitraum Oktober 2015 bis September 2016 wurden dem gemeinsamen Arbeitgeberservice insgesamt 3.119 Berufsausbildungsstellen gemeldet. Das waren 5,2 Prozent (- 171 Stellen) weniger Stellenmeldungen als im vorherigen Beratungsjahr. Von diesen 3.119 gemeldeten Stellen sind 2.874 betriebliche Ausbildungsstellen.

3.216 Jugendliche standen der Vielzahl an Ausbildungsstellen im Beratungsjahr 2015/16 gegenüber. Diese haben sich seit Oktober 2015 an die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Iserlohn gewandt, um einen Ausbildungsplatz zu finden. Insgesamt suchten damit 1,4 Prozent (+ 44 Personen) mehr als ein Jahr zuvor über die Agentur für Arbeit Iserlohn eine Ausbildungsstelle.

93 Jugendliche von den 3.216 gemeldeten Ausbildungsplatzbewerbern gelten davon zum Ausbildungsjahrende 2015/16 noch als „unversorgt“. Diesen unversorgten Bewerbern standen zum Ende des Beratungsjahres noch 367 Ausbildungsplätze gegenüber, die unbesetzt blieben.

Das Resümee der Ausbildungsmarktpartner sieht folgendermaßen aus:
„Aus Sicht des Märkischen Arbeitgeberverbandes war die Lage auf dem Ausbildungsmarkt im Märkischen Kreis im Berichtsjahr 2015/2016 weiterhin stabil. Denn trotz des leichten Rückgangs bei den gemeldeten Ausbildungsplätzen steht nach wie vor rein rechnerisch jedem gemeldeten Bewerber eine Lehrstelle zur Verfügung. Sorge bereitet mir allerdings der hohe Bestand von 367 unbesetzten Plätzen, der sich im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt hat. Dieser Befund ist nicht in erster Linie auf gestiegene Anforderungen der Unternehmen oder mangelhaftes Matching zurückzuführen. Vielmehr müssen künftig wieder mehr Jugendliche direkt in eine Berufsausbildung einsteigen, damit die Betriebe ihren Fachkräftebedarf decken können. Eine Übergangsquote von rd. 25 Prozent ist einfach zu wenig. Eine kleine Stellschraube könnte außerdem die Vorbereitung von Flüchtlingen auf eine industrielle Ausbildung sein. Das ist jedoch keine leichte Aufgabe und erst recht kein Selbstläufer. Wie ein aktuelles Pilotprojekt des Märkischen Arbeitgeberverbandes zeigt, sind Voraussetzung für eine gelungene Integration Sprachkurse, berufli-che Qualifizierungsangebote und Integrationshilfen,“ erklärt Dr. Bettina Schwegmann, Geschäftsführerin des Märkischen Arbeitgeberverbandes.

„Die duale Berufsausbildung ist und bleibt das Rückgrat des Mittelstands zur langfristigen Fachkräftesicherung. Mit einem erfolgreichen Berufsabschluss stehen jungen Menschen viele Türen offen, und zwar mit allen Vorteilen, die ein Berufsein-stieg im Mittelstand bietet. Ein abwechslungsreiches Arbeitsumfeld entsteht für die jungen Menschen gerade dort, und zwar vor allem durch einen kurzen Draht zu Kunden und Lieferanten, zu den Kollegen und natürlich zum Chef. Leider drückt den Firmen immer häufiger der Schuh, wenn es um Nachwuchs in den technisch-gewerblichen Berufen geht. Aber gerade diese Ausbildungsberufe machen die Unternehmen in der Region stark, und junge Menschen mit einer technisch-gewerblichen Ausbildung verfügen oft über hervorragende Weiterentwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Unser besonderes Augenmerk liegt daher darauf, für technisch-gewerblichen Nachwuchs zu werben, z.B. durch das Technikzentrum in Lüdenscheid oder Schnuppertage im Rahmen der Berufsfelderkundung,“ so Christian Lepping, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Metall- und Elektro-Industrie Lüdenscheid e.V..

„Auch in diesem Jahr konnten im Märkischen Innungshandwerk wieder nicht alle Ausbildungsplätze besetzt werden. Grund hierfür ist, dass sich landauf - landab jeder 2. Schulabgänger mit Hochschulberechtigung für einen Hochschulbesuch entscheidet. Unser Appell richtet sich daher an Eltern und Schulabgänger: Entscheiden Sie sich für Klasse statt Masse! Ausbildung statt Studium! Der Blick in die Länder Südeuropas bestätigt unsere Forderung. Absurde Akademikerquoten und extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit bei fehlendem Facharbeiternachwuchs sind die Entwicklungen, die dort festzustellen sind. Es wird Zeit umzudenken. Im Interesse der Jugendlichen, von denen jeder Dritte sein begonnenes Studium wieder ab-bricht“, so Dirk H. Jedan, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Märkischer Kreis.

„Die betriebliche Berufsausbildung hat für die Schülerinnen und Schüler im Kammerbezirk der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen nicht an Strahlkraft verloren. Zum Stichtag 30.09.2016 konnten im Kammerbezirk der SIHK zu Hagen 3.389 Ausbildungsverträge neu eingetragen werden. Davon entfielen 1.275 auf gewerbliche Berufsbilder und 2.114 gehören dem kaufmännischen Bereich an. Dies spricht für die große Stabilität des heimischen Ausbildungsmarktes. Trotz der rückläufigen Schulabgängerzahlen ist es der SIHK im Ausbildungsmarkt gelungen, durch gezieltes Ausbildungsmarketing die Schülerinnen und Schüler für die duale Berufsausbildung in den heimischen Unternehmen zu interessieren. Die vorzügliche Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen findet ihren Ausdruck darüber hinaus darin, dass im Rahmen der Endspurtaktion mehr als 110 noch unbesetzte freie Ausbildungsplätze für das laufende Jahr 2016 zur Verfügung gestellt wurden. Besonders positiv ist aus Sicht der SIHK, dass im Berichtsjahr 56 neue Ausbildungsbetriebe gewonnen werden konnten“, erklärt Thomas Haensel, Leiter des Geschäftsbereiches Berufliche Bildung der SIHK zu Hagen.

Michael Hermund, Leiter Arbeitsmarktpolitik des DGB Ruhr-Mark äußert: „Noch nicht alle Unternehmen haben verstanden, dass die Ausgebildeten von Heute die Fachkräfte von Morgen sind, denn aktuell ist die Ausbildungswilligkeit der Unternehmen gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Das Interesse der Jugendlichen an einer betrieblichen Ausbildung steigt, trotz zurückgehender Zahlen bei Schulabgängern. Damit werden wieder viele in Warteschleifen gedrängt, nur die Hälfte der Bewerber unterschreibt tatsächlich einen Ausbildungsvertrag. Ich appel-liere an die Unternehmen flexibler zu sein und auch Jugendlichen eine Chance zu geben, wenn sie nicht die besten Schulabschlüsse haben. Die Attraktivität der dualen Ausbildung muss verbessert und an die Erwartungen der Bewerber angepasst werden. Außerdem brauchen wir mehr Stellen. Nur so kann die Abwanderung von Jugendlichen und Fachkräften aus der märkischen Region entgegengewirkt werden.“

Volker Riecke, Geschäftsführer des Jobcenters Märkischer Kreis erklärt: „Das Jobcenter Märkischer Kreis hat im Ausbildungsjahr 2015/2016 516 Jugendliche in eine betriebliche, außerbetriebliche oder schulische Ausbildung vermittelt. Dabei zeigte sich, dass der Unterstützungs- und Beratungsbedarf der Jugendlichen gera-de im Hinblick auf die Einschätzungen der eigenen Kompetenzen und Leistungen weiterhin sehr hoch ist. Vielen Ausbildungsplatzbewerbern fällt es zunehmend schwerer, eine Entscheidung für ein Berufsfeld zu treffen, das ihren Fähigkeiten entspricht. Dies geht häufig zu Lasten der Flexibilität und birgt außerdem die Sorge, eine falsche Entscheidung zu treffen. Einige Jugendliche nutzen auch aus Unsicherheit und der Sorge, eine falsche Entscheidung zu treffen, verstärkt die ge-wohnten Schulstrukturen, um einen höheren Bildungsabschluss zu erzielen. Dies kann für viele Jugendliche der richtige Weg sein, für andere eröffnen sich dadurch jedoch keine nachhaltigen beruflichen Perspektiven. Denn gerade die vielfältigen Ausbildungsstellenangebote im Handwerk, in Betrieben oder im Einzelhandel mit guten Berufsperspektiven erfordern in der Regel keine höheren Schulabschlüsse.“

Sandra Pawlas erklärt abschließend: „Das strukturelle Ungleichgewicht am Ausbildungsmarkt ist weiterhin eine Herausforderung für die Partner des Ausbildungskonsens. Intensive gemeinschaftliche Anstrengungen sind auch nach dem Ausbildungsende nötig, um den Ausbildungsmarkt und die Ausbildung von Fachkräften kreisweit so zu entwickeln, dass sowohl der Märkische Kreis als Wirtschaftsstandort als auch die Menschen, denen durch Ausbildung Lebensperspektiven geboten werden, nachhaltig profitieren. Daher arbeiten die Ausbildungsmarktpartner mit den unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern sowie den Arbeitgebern, die offene Ausbildungsstellen bieten, auch nach dem Ende des Ausbildungsjahres gemeinsam an individuellen Möglichkeiten. Das bringt den Märkischen Kreis und alle Beteiligten weiter.“


Das neue Ausbildungsjahr hat bereits begonnen. Arbeitgeber als auch Bewerberinnen und Bewerber können folgende Kontaktdaten nutzen, um mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Arbeitsagentur für die Ausbildungsstel-lenmeldungen sowie Terminierungen in der Berufsberatung in Kontakt zu kommen:

  • Ausbildungsbetriebe erreichen den gemeinsamen Arbeitgeberservice von Agentur für Arbeit Iserlohn und Jobcenter Märkischer Kreis kostenlos unter: Telefon: 0800/ 4 5555 20
  • Alle Bewerber für Ausbildungsstellen erreichen die Berufsberatung kostenlos unter: Telefon: 0800/ 4 5555 00"

 

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