Ausbildungsmarkt NRW Oktober - Bilanz 2015

Pressemitteilung von Agentur für Arbeit - Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen - Pressestelle
Nr. 31 / 2015 – 29. Oktober 2015

Bilanz des NRW-Ausbildungsmarktes 2014/15:

Deutlich mehr Ausbildungsstellen, aber nicht genug

Weniger Bewerber, 2.221 Ausbildungsplätze mehr als vor einem Jahr – auf dem Ausbildungsmarkt wurde Positives geschafft. Aber es bleibt eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. Zudem decken sich die angebotenen Ausbildungsplätze häufig nicht mit den Qualifikationen und beruflichen Vorstellungen der Schulabgänger. Mehr Bewerber blieben in diesem Jahr ohne adäquaten Ausbildungsplatz und mehr Ausbildungsplätze blieben frei. Lediglich die Region Südwestfalen kann auf einen ausgeglichen Ausbildungsmarkt verweisen.

 

Die Ergebnisse 2014/2015 auf einen Blick

  • 137.842 gemeldete Bewerber (- 3.852, - 2,7 %, î)
  • 60.104 gingen in eine Ausbildung (- 1.075, - 1,8 %, î)
  • 6.698 Bewerber blieben unversorgt (+ 127, + 1,9 %, ì)
  • 107.086 gemeldete Ausbildungsstellen (+ 2.221, + 2,1 %, ì)
  • 6.028 Ausbildungsplätze noch unbesetzt (+ 742, + 14,0 % ì)

 

„Es hat sich auf dem Ausbildungsmarkt etwas bewegt, aber die Ende Mai diesen Jahres im NRW-Ausbildungskonsens gegebene Zusage der Wirtschaft, 3.219 Ausbildungsplätze mehr als 2014 zur Verfügung zu stellen, hat sich nicht erfüllt. Mit 100.930 betrieblichen Ausbildungsstellen gab es ein Plus von 2.204 oder um 2,2 Prozent. Jetzt wird sich zeigen, wie der Zuwachs bei den eingetragenen Ausbildungsverhältnissen ausfällt. Hier hat die Wirtschaft in diesem Jahr 3.000 mehr als 2014 zugesagt“, sagte Christiane Schönefeld, Chefin der Bundesagentur für Arbeit in Nordrhein-Westfalen, bei der Vorstellung der Ausbildungsmarktbilanz 2014/2015 heute (29.10.2015) in Düsseldorf.

„Trotz rückläufiger Bewerberzahl und erhöhtem Angebot an Ausbildungsstellen blieb auch in diesem Jahr eine rechnerische Lücke: Die Nachfrage der Bewerber war um rund 30.800 höher als das Angebot an Ausbildungsstellen. Lediglich in Südwestfalen ist die Bilanz rechnerisch ausgeglichen“, so Schönefeld weiter. „Hinzu kommt, dass es eine zunehmende qualitative Diskrepanz zwischen den angebotenen Ausbildungsstellen sowie den Qualifikationen und Vorstellungen der Schulabgänger über ihren zukünftigen Beruf gibt. Weniger Bewerberinnen und Bewerber mit zunehmend höherwertigen Schulabschlüssen suchen adäquate Ausbildungsplätze mit Perspektive.“

Die Herausforderungen der kommenden Jahre sieht Schönefeld unverändert: „Ausbildungsqualität und Ausbildungsattraktivität werden für die Arbeitgeber die Kernthemen der Zukunft. Die Betriebe werden sich auf die Bedürfnisse der jungen Menschen einstellen müssen, wollen sie weiterhin genügend Nachwuchs für sich gewinnen. Und sie wer-den sich von der 'Bestenauslese´ verabschieden und auf eine 'Suche nach Geeigneten´ umstellen müssen. Für die Bewerberinnen und Bewerber ist räumliche und berufliche Mobilität entscheidend. Insgesamt wird es in den kommenden Jahren die große Aufgabe sein, mit regionalen Strategien und Ansätzen die zum Teil sehr unterschiedlichen Ausbildungsmarktentwicklungen zu begleiten. Hier sind alle Partner gefragt.“

 

Bewerberinnen und Bewerber
Von Oktober 2014 bis September 2015 meldeten sich 137.842 junge Frauen und Männer bei Arbeitsagenturen und Jobcentern als Bewerberin bzw. Bewerber um ei-nen Ausbildungsplatz, 3.852 oder 2,7 Prozent weniger als vor einem Jahr. 60.104 haben im Verlauf des Berichtszeitraums einen Ausbildungsvertrag unterschrieben, 1.075 oder 1,8 Prozent weniger als 2013/2014. 16.553 Jugendliche hatten bis zum Ende des Berichtsjahres eine Alternative (weiterer Schulbesuch/Studium, Freiwilligen-dienst, Auslandsaufenthalt, Erwerbstätigkeit), das waren 724 Personen bzw. 4,2 Pro-zent weniger als im Vorjahr. Diese Bewerberinnen und Bewerber suchen aber grund-sätzlich noch weiter eine Ausbildungsstelle.

Aus unterschiedlichen Gründen haben sich 54.487 Bewerberinnen und Bewerber bei der Berufsberatung abgemeldet. Im Vergleich zum vergangenen Jahr waren das 2.180 oder 3,8 Prozent weniger.

Statistisch gelten damit 131.144 oder 95,1 Prozent der Bewerber insgesamt als versorgt, weil sie einen Ausbildungsplatz gefunden, sich für eine Alternative wie weite-rer Schulbesuch oder eine Erwerbstätigkeit entschieden oder sich als Bewerber ohne nähere Begründung abgemeldet haben.

6.698 Bewerberinnen und Bewerber hatten zum Ende des Berichtsjahres weder eine Ausbildungsstelle noch eine Alternative, 127 oder 1,9 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Struktur der Bewerber: Die Qualität der Bewerberinnen und Bewerber hat sich weiter verbessert. 39,2 Prozent haben das Abitur oder die Hochschulreife

Insgesamt 54.066 Interessenten für einen Ausbildungsplatz hatten eine Fachhochschul- oder Hochschulreife, was einem Anteil an allen Bewerberinnen und Bewerbern von 39,2 Prozent entspricht. Im vergangenen Berichtsjahr lag der Anteil bei 38,2 Prozent (54.156). Der Trend zu höheren Schulabschlüssen hält an. Insofern ist zu erwarten, dass dieser Anteil auch in den kommenden Jahren weiter steigt.

Eine weitere Ursache liegt in der sinkenden Zahl der Bewerberinnen und Bewerber mit mittleren Bildungsabschlüssen. Zwar stellen die Bewerberinnen und Bewerber mit ei-nem Hauptschul- oder Realschulabschluss mit 77.125 Personen und einem Anteil von 56 Prozent an allen gemeldeten Bewerbern noch immer die Mehrzahl der Ausbildungs-platzsuchenden, ihre Zahl sank im abgelaufenen Berichtsjahr aber um 4,2 Prozent. Bis zum Schuljahr 2019/2020 wird die Zahl der Schulabgänger insgesamt von derzeit 207.680 um 24.530 oder 11,8 Prozent auf etwa 183.150 zurückgehen. Der Rückgang trifft in erster Linie Bewerber mit Haupt- und Realschulabschluss, also die wichtigste Zielgruppe für duale Berufsausbildungen. Unternehmen werden zunehmend um Auszubildende konkurrieren1. (1 Prognose des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes NRW 2014)

Von den jungen Frauen und Männern, die Ende September weder einen Ausbildungs-platz noch eine Alternative hatten, besaßen 2.805 (41,9 Prozent) die Fachhochschulreife oder das Abitur. Ihre Zahl erhöhte sich gegenüber dem bereits hohen Vorjahresergebnis weiter um 5,5 Prozent. Dass diese gut qualifizierten Jugendlichen zum Ende des statistischen Berichtsjahres noch als „unversorgt“ galten, hat u.a. folgende Gründe: regionale wie berufsspezifische Disparitäten (z.B. passen Berufswünsche und Ausbildungsstellenangebot nicht zusammen) ebenso wie die Tatsache, dass Bewerberinnen und Bewerber mit höheren Bildungsabschlüssen in der Regel mehrere Wahlmöglichkeiten haben und eher bereit sind, auf den Wunsch-Ausbildungsplatz oder den Wunsch-Studienplatz zu warten.

 

Die meisten Bewerber, die zum Berichtsjahresende noch einen Ausbildungsplatz suchten, gaben folgende Wunschberufe an:

  • Kaufmann/frau im Büromanagement: 675
  • Kaufmann/frau im Einzelhandel: 548
  • Verkäufer/in: 380
  • Medizinische/r Fachangestellte/r: 349
  • Industriekaufmann/frau: 322
  • Kfz.-Mechatroniker – PKW-Technik 170

Ausbildungsplatzangebote
Betriebe, Verwaltungen und Träger meldeten mit 107.086 Ausbildungsplatzangeboten im abgelaufenen Berichtsjahr 2.221 oder 2,1 Prozent mehr Stellen als vor einem Jahr.

Die Zahl betrieblicher Angebote nahm um 2.204 oder 2,2 Prozent auf 100.930 zu. Das außerbetriebliche Ausbildungsplatzangebot erhöhte sich um 17 auf 6.156 Angebote²
(2 Die Zahl der außerbetrieblichen Berufsausbildungsstellen ist aufgrund eines technischen Fehlers überhöht. Der in den offiziellen Daten ausgewiesene Anstieg um 763 auf 6.902 ist nicht plausibel. Tatsächlich wurden landesweit 6.156 Plätze bereitgestellt, das sind lediglich 17 mehr als vor einem Jahr. Dieser Fehler wirkt sich auch auf die Gesamtzahl der im Berichtsjahr gemeldeten Ausbildungsstellen aus: Statt 107.832 standen landesweit 107.086 Ausbildungsplätze zur Verfügung. Der Zuwachs reduziert sich von + 2,8 auf + 2,1 Prozent. Die Zahl der betrieblichen Ausbildungsstellen ist korrekt.).

6.028 Lehrstellen waren Ende September noch unbesetzt, 742 oder 14 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die rechnerische Bewerber-Stellenrelation entwickelte sich günstiger als im Vorjahr, blieb jedoch weiterhin unausgeglichen: Auf einen Bewerber kamen 0,78 Ausbildungsplatzangebote. Im Jahr zuvor waren es 0,74 Stellen. Pro unversorgten Bewerber gab es zu Berichtsjahresende 0,90 unbesetzte Ausbildungsstellen, gegenüber 0,80 im Vorjahr.

 

Die meisten offenen Ausbildungsstellen gab es in folgenden Berufen

  • Verkäufer/in: 499
  • Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk Bäckerei: 319
  • Friseur/in: 277
  • Koch / Köchin: 271
  • Kaufleute im Einzelhandel: 261
  • Kaufmann/-frau – Büromanagement 242
  • Restaurantfachleute: 234

Der NRW-Ausbildungsmarkt ist heterogen. Nur Südwestfalen ausgeglichen.

Im größten Ballungsgebiet Europas, dem Ruhrgebiet, sank die Zahl der gemeldeten Bewerber gegenüber dem Vorjahr um 731 oder 1,9 Prozent 38.209. Die gemeldeten Ausbildungsstellen erhöhten sich um 454 oder 1,7 Prozent auf 26.467. Die Zahl der unversorgten Bewerber erhöhte sich um 33 Personen auf 1.667. Die Zahl der unbesetz-ten Ausbildungsplatzangebote blieb im Vergleich zum Vorjahr mit 1.197 (-3) nahezu konstant. Je gemeldeten Bewerber standen rechnerisch 0,69 Stellen zur Verfügung (Vorjahr 1 zu 0,67).

Im Rheinland sank die Zahl der Bewerber mit 45.529 um 3,0 Prozent im Vergleich zum Berichtsjahr 2014. Die Zahl der unversorgten Bewerber sank leicht um 39 auf 2.430. Auf der Angebotsseite verzeichnete das Rheinland einen Stellenzuwachs um 1.013 Angebote oder um 2,9 Prozent auf 36.441 Ausbildungsplätze. 2.297 Ausbildungsplätze blieben unbesetzt, das waren 224 mehr als vor einem Jahr. Die Bewerber-Stellen-Relation verbesserte sich leicht auf 0,8 Stellen pro Bewerber (Vorjahr 0,75).

Im Münsterland meldeten sich 12.574 Bewerber um eine Ausbildungsstelle, 231 weni-ger als vor einem Jahr 334 Bewerber fanden bis September keinen Ausbildungsplatz, 15 weniger als im Vorjahr. Das Ausbildungsplatzangebot blieb im Münsterland mit 11.213 nahezu konstant (-27 geg. Vorjahr). 617 Ausbildungsplätze blieben bis Ende September unbesetzt, 121 mehr als vor einem Jahr.
Neben Südwestfalen ist das Münsterland die einzige Region, in der es mit Blick auf die Bewerber-Stellenrelation ein landesuntypisches Ergebnis gab: Auf einen gemeldeten Bewerber kamen im Berichtsjahr 0,89 gemeldete Lehrstellen – auf einen noch unver-sorgten Bewerber kamen 1,84 noch unbesetzte Ausbildungsplätze.

Südwestfalen ist die einzige Region in NRW mit einem rechnerisch ausgeglichenen Ausbildungsmarkt: Für 10.663 Bewerber standen 10.825 freie Ausbildungsplätze zur Verfügung. Während sich im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Bewerber weiter um 594 oder 5,3 Prozent auf 10.663 reduzierte, wurde das Ausbildungsangebot um 701 auf 10.825 Ausbildungsplätze gesteigert. 488 Bewerber (107 mehr als vor einem Jahr) fanden nicht ihren Ausbildungsplatz, auf der anderen Seite blieben 573 Ausbildungs-plätze unbesetzt, 64 mehr als vor einem Jahr.

In Ostwestfalen-Lippe waren mit 17.711 Bewerbern 393 oder 2,2 Prozent Bewerber weniger gemeldet als im Vorjahr. 974 junge Leute fanden keinen Ausbildungsplatz, 36 mehr als im Vorjahr. 483 Ausbildungsplätze konnten bis Ende September nicht besetzt werden, ebenfalls 36 mehr als im Vorjahr. Auf einen Bewerber kamen 0,79 Ausbildungsplätze, für je einen unversorgten Bewerber Ende September standen rechnerisch 0,5 Ausbildungsstellen zur Verfügung.

Der Ausbildungsmarkt im Bergischen Land hat sich verbessert. Im Laufe des Berichtsjahres 2014/15 meldeten sich mit 13.156 insgesamt 494 Bewerber weniger als im Vorjahr. Bei den gemeldeten Ausbildungsplätzen wurde mit 8.964 ein Zuwachs von 322 oder 3,7 Prozent erreicht. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage hat sich im Berichtsjahr von 0,63 im Vorjahr auf 0,68 Stellen pro Bewerber in diesem Jahr verbessert, stellt aber unverändert die ungünstigste Relation in NRW dar. 805 Bewerber blieben Ende September ohne Ausbildungsplatz, in etwa so viele wie im vergangenen Jahr (+5). Deutlich gestiegen ist die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze und zwar um 300 auf 861 und damit um 53,5 Prozent. Rechnerisch standen jedem unversorgtem Bewerber 1,1 Ausbildungsplätze gegenüber.

 

Was passiert jetzt?
Die Partner im Ausbildungskonsens NRW organisieren gemeinsam die Nachvermittlung der Bewerberinnen und Bewerber, die bis Ende September keinen Ausbildungsplatz bekommen haben und auch keine andere Alternative nutzen können oder wollen. Kammern, Arbeitgeber-Verbände, Gewerkschaft, Politik und Bundesagentur für Arbeit werden gemeinsam bis Dezember versuchen, frei gebliebene Ausbildungsplätze zu besetzen. Erfahrungsgemäß kann man noch bis Ende Januar in die laufende Ausbildung einsteigen und den versäumten theoretischen und praktischen Stoff nachholen.
Viele Ausbildungsplätze werden jetzt auch noch einmal gemeldet, weil sie entweder im September freigeblieben sind oder sich Azubi und Betrieb wieder getrennt haben. Der Ausbildungsmarkt bleibt über den statistischen Stichtag Ende September hinaus in Bewegung.

Kontakt zur Bundesagentur für Arbeit vor Ort – für Bewerber und Betriebe
Jugendliche, die noch eine Berufsausbildungsstelle suchen, sollten sich schnellstmöglich an die Berufsberatung der Agentur für Arbeit vor Ort wenden. Ein Termin kann auch telefonisch unter der Service-Rufnummer 0800 4 5555 00 (gebührenfrei vom Festnetz und vom Mobiltelefon), per E-Mail oder direkt über das Internet unter

www.arbeitsagentur.de/beratungswunsch

vereinbart werden. Aufgrund des erwarteten, erhöhten Beratungsaufkommens muss vereinzelt mit Wartezeiten für einen Beratungstermin gerechnet werden. Alle Informationen hierzu gibt es auf www.arbeitsagentur.de.

Arbeitgeber, die noch Berufsausbildungsstellen melden möchten, wenden sich an den Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit vor Ort, unter der Servicenummer: 0800 4 5555 20 (gebührenfrei vom Festnetz und vom Mobiltelefon).

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